Friedrich-Vordemberge-Stipendiat Mathias Weinfurter zeigt seine Arbeit „Stören" in der Artothek
Alles ist genormt und bequem im Baumarkt zu kaufen. Die Sorge, dass ihm sein Material einmal ausgehen könnte, treibt Mathias Weinfurter nicht um. Der Bildhauer, der im August das Friedrich-Vordemberge-Stipendium der Stadt Köln erhielt, arbeitet mit gewöhnlichen Dingen, die aus dem Alltag bekannt sind. In seiner Ausstellung „Stören“ in der Artothek widmet er sich Zäunen aus Doppelstabmatten.
Sie dürften dem niedrigeren Jägerzaun mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Transparent, aber schwer zu überwinden, halten sie Einzug im Stadtbild. Über Google Street View machte Weinfurter die Erfahrung, dass sie auf den Bildern mitunter bizarr verzerrt sind. Oder es entstehen Darstellungslücken, sogenannte Glitches, Fehlstellen. Die gleichmäßigen Raster treffen an den Schnittstellen dabei versetzt aufeinander.

Installationsansicht Stören, artothek, Köln, GER, 2023, Foto: Mareike Tocha
Auch bei Weinfurters Installationen muss man zweimal hinschauen, denn das gängige Raster der Sehgewohnheiten bricht der Künstler, der in Offenbach und Jerusalem studiert hat, auf. Den wohl längsten Zaun im Raum, der in der vertikalen und diagonalen Anordnung auf einmal auch eine Diagonale erhält, spiegelt Weinfurter. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man hinschaut, fällt die Manipulation nicht auf. „Das ist ein Spiel mit unserem Gehirn“, sagt der 34-Jährige, der seit drei Jahren in Köln lebt und arbeitet. Mit kleinen anarchischen Eingriffen nimmt er einzelne Stäbe heraus, hängt Tritthilfen ein. Kleinere Arbeiten erinnern in ihren ungewohnten Stabanordnungen wiederum an ein Notenbild oder den strengen Aufbau eines illustrierten Folianten aus dem Mittelalter.
Als Fundamentalkritik an Zäunen will Weinfurter seine Arbeit nicht verstanden wissen. „Es geht ja nicht nur um Ausgrenzung, sondern auch um Schutz und Sicherheit“, sagt er. Der Fokus liegt auf dem Passgenauen hierzulande. „Ich war in Südafrika. Dort sind die Zäune nicht so präzise gearbeitet. Sie werden oft knallrot angemalt.“
„Nimmt man Zäune als gegeben hin, oder stellt sie infrage? Weinfurter bricht das auf“, sagt Astrid Bardenheuer, Leiterin der Artothek.

Erschienen in der Kölnischen Rundschau, am 26.10.2023
Friedrich-Vordemberge-Stipendiat Mathias Weinfurter zeigt seine Arbeit „Stören" in der Artothek
Alles ist genormt und bequem im Baumarkt zu kaufen. Die Sorge, dass ihm sein Material einmal ausgehen könnte, treibt Mathias Weinfurter nicht um. Der Bildhauer, der im August das Friedrich-Vordemberge-Stipendium der Stadt Köln erhielt, arbeitet mit gewöhnlichen Dingen, die aus dem Alltag bekannt sind. In seiner Ausstellung „Stören“ in der Artothek widmet er sich Zäunen aus Doppelstabmatten.
Sie dürften dem niedrigeren Jägerzaun mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Transparent, aber schwer zu überwinden, halten sie Einzug im Stadtbild. Über Google Street View machte Weinfurter die Erfahrung, dass sie auf den Bildern mitunter bizarr verzerrt sind. Oder es entstehen Darstellungslücken, sogenannte Glitches, Fehlstellen. Die gleichmäßigen Raster treffen an den Schnittstellen dabei versetzt aufeinander.

Installationsansicht Stören, artothek, Köln, GER, 2023, Foto: Mareike Tocha
Auch bei Weinfurters Installationen muss man zweimal hinschauen, denn das gängige Raster der Sehgewohnheiten bricht der Künstler, der in Offenbach und Jerusalem studiert hat, auf. Den wohl längsten Zaun im Raum, der in der vertikalen und diagonalen Anordnung auf einmal auch eine Diagonale erhält, spiegelt Weinfurter. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man hinschaut, fällt die Manipulation nicht auf. „Das ist ein Spiel mit unserem Gehirn“, sagt der 34-Jährige, der seit drei Jahren in Köln lebt und arbeitet. Mit kleinen anarchischen Eingriffen nimmt er einzelne Stäbe heraus, hängt Tritthilfen ein. Kleinere Arbeiten erinnern in ihren ungewohnten Stabanordnungen wiederum an ein Notenbild oder den strengen Aufbau eines illustrierten Folianten aus dem Mittelalter.
Als Fundamentalkritik an Zäunen will Weinfurter seine Arbeit nicht verstanden wissen. „Es geht ja nicht nur um Ausgrenzung, sondern auch um Schutz und Sicherheit“, sagt er. Der Fokus liegt auf dem Passgenauen hierzulande. „Ich war in Südafrika. Dort sind die Zäune nicht so präzise gearbeitet. Sie werden oft knallrot angemalt.“
„Nimmt man Zäune als gegeben hin, oder stellt sie infrage? Weinfurter bricht das auf“, sagt Astrid Bardenheuer, Leiterin der Artothek.

Erschienen in der Kölnischen Rundschau, am 26.10.2023