Larissa Kikol & Christoph Platz-Gallus: Wie bist du aufgewachsen? Wie kamst du zur Kunst?
Mathias Weinfurter: Ich bin in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen, weit entfernt von kulturellen Institutionen. Mein erster Zugang zur Kunst kam über den Lebensgefährten meiner Mutter: Er nahm mich als Kind mit in Ausstellungen und vermittelte mir vor allem, dass Kunst etwas ist, das wir nicht nur konsumieren, sondern auch selbst machen können. Mit dieser Haltung wurde ich als Jugendlicher in verschiedenen kreativen Subkulturen aktiv. Die Freundschaften, die dort entstanden, führten mich schließlich zum Kunststudium. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.
LK & CP: Mit welchem Blick gehst du durch die Stadt? Welche Orte oder Materialien ziehen deine Aufmerksamkeit auf sich?
MW: Der Blick, mit dem ich mich durch die Stadt bewege, ist immer neugierig, aber auch privilegiert. Mir ist bewusst, dass marginalisierte Personen den öffentlichen Raum anders wahrnehmen und dass es ein Privileg ist, die körperliche Fähigkeit zu haben, über einen Zaun zu klettern oder nachts ohne Angst durch die Stadt zu laufen.
Durch meine persönliche Verbindung zum Wohnhochhaus habe ich eine besondere Begeisterung für diese Architektur entwickelt, insbesondere für Bauten der 1960er- und 1970er-Jahre. Trotz industrieller Massenfertigung wurde häufig versucht, Oberflächen zu individualisieren: Betonfassaden zeigen organische Reliefs, im Reibeputz zeichnen sich die Spuren der Handwerker ab. Zu sehen ist eine gewisse Wertschätzung für Material und Handwerk. Gleichzeitig zeugen die Bauten der Nachkriegsmoderne von einer Zeit, deren gesellschaftliche Versprechen nicht konsequent eingelöst wurden und deren Auswirkungen wir heute verarbeiten.
Für meine Arbeiten nutze ich oft industrielle Massenprodukte. Sie ermöglichen es mir, auf ein potenziell endloses Inventar zurückzugreifen und Installationen jederzeit in ihren Dimensionen zu erweitern.

Nordwestkurve Zaun 112401, 2024, galvanised steel, duct tape, 164 x 215 x 15 cm
LK & CP: Welche Werke zeigst du in dieser Ausstellung?
MW: In der Ausstellung zeige ich Wandskulpturen, die Teil einer fortlaufenden Serie sind, in der ich mit industriell gefertigten Doppelstabmattenzäunen arbeite. Ihr Raster überzieht weite Teile des öffentlichen Raums in Mitteleuropa.
Ausgangspunkt meiner Eingriffe ist ein visueller Fehler, der beim algorithmischen Zusammensetzen von 360-Grad-Aufnahmen entsteht. Diese digitalen Störungen, sogenannte glitches, übertrage ich in den physischen Raum. Im übertragenen Sinne wird erfahrbar, wie minimale Verschiebungen etablierte Ordnungen infrage stellen. Zäune und Grenzen sollten aus meiner Sicht immer wieder auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden.
LK & CP: Empfindest du dein Tun bzw. deine Arbeit als politisches Handeln?
MW: Ja. Mein künstlerisches Wirken ist mit einer Haltung verbunden, die sich zum gesellschaftspolitischen Kontext verhält. Bestimmte Gesten oder Eingriffe sind nur möglich, weil wir in einem bestimmten gesellschaftspolitischen System mit vergleichsweise großer künstlerischer Freiheit leben. Historisch betrachtet war das nicht immer der Fall, und auch aktuell lassen sich gesellschaftliche Rückschritte beobachten. Diese Abhängigkeit ist mir bewusst, und ich versuche, meinen eigenen Umgang damit kontinuierlich zu reflektieren.
Im Studium haben wir Jacques Rancière gelesen. Er beschreibt politisches Handeln als das Sichtbarmachen von etwas, das bislang keinen Raum hatte, wahrgenommen zu werden, etwa Missstände, Marginalisierung oder Ungerechtigkeit. In seinen Worten: „Die politische Tätigkeit lässt sehen, was keinen Ort hatte, gesehen zu werden, lässt eine Rede hören, die nur als Lärm gehört wurde.“ Ich empfinde das als wichtigen Ansporn, denn Kunst besitzt dieses Potenzial, Unsichtbares sichtbar zu machen.
Zugleich finde ich es ebenso legitim, wenn Arbeiten vor allem Momente der Freude erzeugen oder Räume für ästhetische Erfahrung öffnen.
In Under the Milky Way werden auch Machtverhältnisse verhandelt. Das gefällt mir gut, denn Macht ist für mich ein Konstrukt, das grundsätzlich hinterfragt werden sollte. Menschen sollten keine Macht über andere haben, und der Missbrauch von Macht ist zutiefst gesellschaftsschädlich. Hier müssen wir uns als Gesellschaft enorm weiterentwickeln und die gegenwärtigen Verhältnisse überwinden.

Monument 01, 2021, spades, concrete recycling, 150 x 150 x 120 cm
LK & CP: Nutzt du besondere Freiheiten oder autonome Möglichkeitsräume, die konservativer arbeitende Künstler und Maler weniger haben?
MW: Viele meiner Arbeiten entstehen im Zusammenspiel von Schreibtisch und Atelier. Am Schreibtisch entwickle ich Recherche und Konzeption, das Atelier ist das Spielfeld, auf dem ich Ideen ausprobiere und letztlich umsetze.
Wenn nötig, verlasse ich diesen geschützten Raum, etwa für die Langzeitintervention Status Quo Ladder. Nach dem Vorbild der Leiter, die seit über 500 Jahren auf einem Sims der Grabeskirche in Jerusalem steht, installiere ich seit 2018 weltweit Leitern im öffentlichen Raum. Dafür suche ich jeweils einen architektonisch geeigneten Ort und eine Leiter. Beides bringe ich zusammen, um dem historischen Stereotyp möglichst nahe zu kommen.
Die Wiederholung dieser einfachen Formel macht die Intervention zu einem Ritual. Die Arbeit lebt vom alltäglichen Kontext und spielt mit dem Profanen und der rituellen Aufladung.
Als ich 2022 Fotos von der Status Quo Ladder machte, die ich zuvor auf einem Vordach des Volksparks in Halle installiert hatte, fragte mich eine Passantin, was es dort oben zu sehen gebe. Ich antwortete: „Da steht eine Leiter.“ Sie guckte hoch und sagte: „Sieht aus wie die Leiter in Jerusalem – an der Grabeskirche.“
Da war mein Anspruch erfüllt: einen Moment von einem Ort an einen anderen zu übertragen. Das gelingt manchmal nur durch den Kontext des öffentlichen Raums. Ich würde ihn daher immer wieder als Arbeitsfeld in Betracht ziehen und mir keine Grenzen setzen.
LK & CP: Wer ist dein Publikum, wer sind deine Adressat:innen?
MW: Ich versuche, Arbeiten zu schaffen, die über ihr visuelles Erscheinen für ein breites Publikum zugänglich sind. Wie tief man sie durchdringen mag, bleibt jeder Person selbst überlassen. Auch ich entdecke in meinen eigenen Arbeiten immer wieder neue Facetten.
Besonders spannend wird es, wenn durch geschickte Kontextualisierung neue Verbindungen entstehen.

Solitär, 2025, Kunsthalle Darmstadt, Darmstadt, GER
LK & CP: Wie ist das Verhältnis von Realität und Fiktion in deiner Arbeit?
MW: Wir leben in einer Zeit, deren Realität teilweise völlig absurd anmutet. Das hat auch Auswirkungen auf die Kunst und schafft neue Herausforderungen. Die Realität abzubilden, kann eine Strategie sein, reicht aber oft nicht aus, um eine tatsächliche Wirksamkeit zu erzeugen. Für die komplexen gegenwärtigen Konflikte braucht es ein universelles, emphatisches Denken, zu dessen Entwicklung Kunst beitragen kann.
Ich versuche, eine Brücke zwischen Realität und Fiktion herzustellen, indem ich Elemente aus meiner unmittelbaren Umgebung aufgreife und neu denke. Vertraute Objekte und Oberflächen schaffen dabei eine Zugänglichkeit, während subtile Eingriffe gedankliche Räume öffnen. In der Installation Solitär (2025) arrangiere ich beispielsweise Waschbetonplatten im Ausstellungsraum. Viele Betrachter erzählen mir daraufhin Geschichten aus ihrer Schulzeit und von der mit Waschbeton verkleideten Turnhalle. Die Arbeit Markise (2025) weckt bei vielen Erinnerungen an kindheitliche Besuche bei den Großeltern. Das sind Oberflächen und Objekte, vor deren Kulisse sich das Leben vieler Menschen abspielt. Interessant ist für mich, dass individuelle Erlebnisse häufig mit universellen Phänomenen verbunden sind, denn in den Assoziationen gibt es eine Menge Überschneidungen.
LK & CP: Was denkst du über den Begriff Post-Vandalismus? Und kannst du dich selbst darin verorten?
MW: Grundsätzlich finde ich es toll, wenn Sprache und neue Begriffe Verbindungen zum Ausdruck bringen, die vorher weniger deutlich waren. Wichtig ist mir dabei, dass solche Kategorien nicht zur Reduktion oder zum Ausschluss führen. Künstler, die in eine Schublade passen, lassen sich auch in viele andere einordnen.
Ich selbst kann mich mit dem Begriff identifizieren und sehe Überschneidungen mit anderen Positionen, die aktuell in diesem Kontext erscheinen. Gleichzeitig habe ich Interessen und arbeite an Projekten, die sich anderen Begrifflichkeiten und Zusammenhängen zuordnen lassen.



Erschienen in Under the Milky Way, Buch, Larissa Kikol, Christoph Platz-Gallus (Hg.), Kunstverein Hannover, GER, DCV Verlag, Berlin, GER, ISBN 978-3-96912-276-1
Larissa Kikol & Christoph Platz-Gallus: Wie bist du aufgewachsen? Wie kamst du zur Kunst?
Mathias Weinfurter: Ich bin in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen, weit entfernt von kulturellen Institutionen. Mein erster Zugang zur Kunst kam über den Lebensgefährten meiner Mutter: Er nahm mich als Kind mit in Ausstellungen und vermittelte mir vor allem, dass Kunst etwas ist, das wir nicht nur konsumieren, sondern auch selbst machen können. Mit dieser Haltung wurde ich als Jugendlicher in verschiedenen kreativen Subkulturen aktiv. Die Freundschaften, die dort entstanden, führten mich schließlich zum Kunststudium. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.
LK & CP: Mit welchem Blick gehst du durch die Stadt? Welche Orte oder Materialien ziehen deine Aufmerksamkeit auf sich?
MW: Der Blick, mit dem ich mich durch die Stadt bewege, ist immer neugierig, aber auch privilegiert. Mir ist bewusst, dass marginalisierte Personen den öffentlichen Raum anders wahrnehmen und dass es ein Privileg ist, die körperliche Fähigkeit zu haben, über einen Zaun zu klettern oder nachts ohne Angst durch die Stadt zu laufen.
Durch meine persönliche Verbindung zum Wohnhochhaus habe ich eine besondere Begeisterung für diese Architektur entwickelt, insbesondere für Bauten der 1960er- und 1970er-Jahre. Trotz industrieller Massenfertigung wurde häufig versucht, Oberflächen zu individualisieren: Betonfassaden zeigen organische Reliefs, im Reibeputz zeichnen sich die Spuren der Handwerker ab. Zu sehen ist eine gewisse Wertschätzung für Material und Handwerk. Gleichzeitig zeugen die Bauten der Nachkriegsmoderne von einer Zeit, deren gesellschaftliche Versprechen nicht konsequent eingelöst wurden und deren Auswirkungen wir heute verarbeiten.
Für meine Arbeiten nutze ich oft industrielle Massenprodukte. Sie ermöglichen es mir, auf ein potenziell endloses Inventar zurückzugreifen und Installationen jederzeit in ihren Dimensionen zu erweitern.

Nordwestkurve Zaun 112401, 2024, galvanised steel, duct tape, 164 x 215 x 15 cm
LK & CP: Welche Werke zeigst du in dieser Ausstellung?
MW: In der Ausstellung zeige ich Wandskulpturen, die Teil einer fortlaufenden Serie sind, in der ich mit industriell gefertigten Doppelstabmattenzäunen arbeite. Ihr Raster überzieht weite Teile des öffentlichen Raums in Mitteleuropa.
Ausgangspunkt meiner Eingriffe ist ein visueller Fehler, der beim algorithmischen Zusammensetzen von 360-Grad-Aufnahmen entsteht. Diese digitalen Störungen, sogenannte glitches, übertrage ich in den physischen Raum. Im übertragenen Sinne wird erfahrbar, wie minimale Verschiebungen etablierte Ordnungen infrage stellen. Zäune und Grenzen sollten aus meiner Sicht immer wieder auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden.
LK & CP: Empfindest du dein Tun bzw. deine Arbeit als politisches Handeln?
MW: Ja. Mein künstlerisches Wirken ist mit einer Haltung verbunden, die sich zum gesellschaftspolitischen Kontext verhält. Bestimmte Gesten oder Eingriffe sind nur möglich, weil wir in einem bestimmten gesellschaftspolitischen System mit vergleichsweise großer künstlerischer Freiheit leben. Historisch betrachtet war das nicht immer der Fall, und auch aktuell lassen sich gesellschaftliche Rückschritte beobachten. Diese Abhängigkeit ist mir bewusst, und ich versuche, meinen eigenen Umgang damit kontinuierlich zu reflektieren.
Im Studium haben wir Jacques Rancière gelesen. Er beschreibt politisches Handeln als das Sichtbarmachen von etwas, das bislang keinen Raum hatte, wahrgenommen zu werden, etwa Missstände, Marginalisierung oder Ungerechtigkeit. In seinen Worten: „Die politische Tätigkeit lässt sehen, was keinen Ort hatte, gesehen zu werden, lässt eine Rede hören, die nur als Lärm gehört wurde.“ Ich empfinde das als wichtigen Ansporn, denn Kunst besitzt dieses Potenzial, Unsichtbares sichtbar zu machen.
Zugleich finde ich es ebenso legitim, wenn Arbeiten vor allem Momente der Freude erzeugen oder Räume für ästhetische Erfahrung öffnen.
In Under the Milky Way werden auch Machtverhältnisse verhandelt. Das gefällt mir gut, denn Macht ist für mich ein Konstrukt, das grundsätzlich hinterfragt werden sollte. Menschen sollten keine Macht über andere haben, und der Missbrauch von Macht ist zutiefst gesellschaftsschädlich. Hier müssen wir uns als Gesellschaft enorm weiterentwickeln und die gegenwärtigen Verhältnisse überwinden.

Monument 01, 2021, spades, concrete recycling, 150 x 150 x 120 cm
LK & CP: Nutzt du besondere Freiheiten oder autonome Möglichkeitsräume, die konservativer arbeitende Künstler und Maler weniger haben?
MW: Viele meiner Arbeiten entstehen im Zusammenspiel von Schreibtisch und Atelier. Am Schreibtisch entwickle ich Recherche und Konzeption, das Atelier ist das Spielfeld, auf dem ich Ideen ausprobiere und letztlich umsetze.
Wenn nötig, verlasse ich diesen geschützten Raum, etwa für die Langzeitintervention Status Quo Ladder. Nach dem Vorbild der Leiter, die seit über 500 Jahren auf einem Sims der Grabeskirche in Jerusalem steht, installiere ich seit 2018 weltweit Leitern im öffentlichen Raum. Dafür suche ich jeweils einen architektonisch geeigneten Ort und eine Leiter. Beides bringe ich zusammen, um dem historischen Stereotyp möglichst nahe zu kommen.
Die Wiederholung dieser einfachen Formel macht die Intervention zu einem Ritual. Die Arbeit lebt vom alltäglichen Kontext und spielt mit dem Profanen und der rituellen Aufladung.
Als ich 2022 Fotos von der Status Quo Ladder machte, die ich zuvor auf einem Vordach des Volksparks in Halle installiert hatte, fragte mich eine Passantin, was es dort oben zu sehen gebe. Ich antwortete: „Da steht eine Leiter.“ Sie guckte hoch und sagte: „Sieht aus wie die Leiter in Jerusalem – an der Grabeskirche.“
Da war mein Anspruch erfüllt: einen Moment von einem Ort an einen anderen zu übertragen. Das gelingt manchmal nur durch den Kontext des öffentlichen Raums. Ich würde ihn daher immer wieder als Arbeitsfeld in Betracht ziehen und mir keine Grenzen setzen.
LK & CP: Wer ist dein Publikum, wer sind deine Adressat:innen?
MW: Ich versuche, Arbeiten zu schaffen, die über ihr visuelles Erscheinen für ein breites Publikum zugänglich sind. Wie tief man sie durchdringen mag, bleibt jeder Person selbst überlassen. Auch ich entdecke in meinen eigenen Arbeiten immer wieder neue Facetten.
Besonders spannend wird es, wenn durch geschickte Kontextualisierung neue Verbindungen entstehen.

Solitär, 2025, Kunsthalle Darmstadt, Darmstadt, GER
LK & CP: Wie ist das Verhältnis von Realität und Fiktion in deiner Arbeit?
MW: Wir leben in einer Zeit, deren Realität teilweise völlig absurd anmutet. Das hat auch Auswirkungen auf die Kunst und schafft neue Herausforderungen. Die Realität abzubilden, kann eine Strategie sein, reicht aber oft nicht aus, um eine tatsächliche Wirksamkeit zu erzeugen. Für die komplexen gegenwärtigen Konflikte braucht es ein universelles, emphatisches Denken, zu dessen Entwicklung Kunst beitragen kann.
Ich versuche, eine Brücke zwischen Realität und Fiktion herzustellen, indem ich Elemente aus meiner unmittelbaren Umgebung aufgreife und neu denke. Vertraute Objekte und Oberflächen schaffen dabei eine Zugänglichkeit, während subtile Eingriffe gedankliche Räume öffnen. In der Installation Solitär (2025) arrangiere ich beispielsweise Waschbetonplatten im Ausstellungsraum. Viele Betrachter erzählen mir daraufhin Geschichten aus ihrer Schulzeit und von der mit Waschbeton verkleideten Turnhalle. Die Arbeit Markise (2025) weckt bei vielen Erinnerungen an kindheitliche Besuche bei den Großeltern. Das sind Oberflächen und Objekte, vor deren Kulisse sich das Leben vieler Menschen abspielt. Interessant ist für mich, dass individuelle Erlebnisse häufig mit universellen Phänomenen verbunden sind, denn in den Assoziationen gibt es eine Menge Überschneidungen.
LK & CP: Was denkst du über den Begriff Post-Vandalismus? Und kannst du dich selbst darin verorten?
MW: Grundsätzlich finde ich es toll, wenn Sprache und neue Begriffe Verbindungen zum Ausdruck bringen, die vorher weniger deutlich waren. Wichtig ist mir dabei, dass solche Kategorien nicht zur Reduktion oder zum Ausschluss führen. Künstler, die in eine Schublade passen, lassen sich auch in viele andere einordnen.
Ich selbst kann mich mit dem Begriff identifizieren und sehe Überschneidungen mit anderen Positionen, die aktuell in diesem Kontext erscheinen. Gleichzeitig habe ich Interessen und arbeite an Projekten, die sich anderen Begrifflichkeiten und Zusammenhängen zuordnen lassen.
Erschienen in Under the Milky Way, Buch, Larissa Kikol, Christoph Platz-Gallus (Hg.), Kunstverein Hannover, GER, DCV Verlag, Berlin, GER, ISBN 978-3-96912-276-1